Österreich
Patrick
Georg Zorowka, Innsbruck
I. Meilensteine
II.
Geschichte der Kliniken
Wien
Graz
Innsbruck
III.
Literatur
I.
Meilensteine
1791
Wolfgang von Kempelen, Hofrat in Wien, veröffentlicht sein
Buch Mechanismus der menschlichen Sprache, in dem
er eine physikalisch-physiologische Theorie der Stimm- und Lautbildung
beim Menschen darlegt.
1856
Ernst Wilhelm (Ritter von) Brücke, Anatom und Physiologe
in Wien, veröffentlicht Grundzüge der Physiologie
und Systematik der Sprachlaute, das einen Grundstein für
die Entwicklung der wissenschaftlichen Stimmphysiologie bildet.
1857/58
Ludwig Türck und Johannes Nepomuk Czermak führen die
Spiegeluntersuchung des Kehlkopfs in die Medizin ein.
1866
Ludwig Türck veröffentlicht sein Buch Klinik
der Krankheiten des Kehlkopfs und der Luftröhre,
in dem er die erste Darstellung der klinisch-pathologischen
Kehlkopfveränderungen anhand der Spiegeluntersuchung gibt.
1870
Gründung der ersten laryngologischen Klinik der Welt am
Wiener Allgemeinen Krankenhaus unter dem Vorstand Leopold Schrötter
von Kristelli.
1872
Gründung der laryngologischen Abteilung an der Wiener Poliklinik
unter dem Vorstand Johann Schnitzler.
1884
Edmund Jelinek, Assistent Kristellis an der laryngologischen
Klinik, berichtet über Erfahrungen mit Kokain als Lokalanästhestetikum
und Analgetikum im Rachen- und Kehlkopfbereich und eröffnet
damit neue Möglichkeiten der Kehlkopfchirurgie.
1886
In Wien wird die erste Sprachambulanz Österreichs unter
dem Leiter Coen (Cohen) eröffnet.
1893
Gründung der Hals-Nasen-Ohrenkliniken in Graz unter dem
Vorstand Johann Habermann und in Innsbruck unter dem Vorstand
Georg Juffinger.
1895
Viktor von Urbantschitsch und Ottokar von Chiari richten an
der Wiener Poliklinik eine Ambulanz zur Behandlung von Sprachstörungen
ein.
1909
Emil Fröschels eröffnet eine Stimm- und Sprachambulanz
an der Wiener Ohrenklinik. Im gleichen Jahr publiziert er einen
Vortrag Über das Wesen und die Behandlung von Sprachkrankheiten.
1912
Leopold Rethi gründet in Wien die Österreichische
Gesellschaft für Experimentelle Phonetik, eine Vereinigung
von Medizinern, Musikern und Gesangslehrern, um auf interdisziplinärer
Basis Probleme der Stimme, Stimmhygiene und Stimmheilkunde zu
behandeln.
1913
Emil Fröschels veröffentlicht sein Lehrbuch
der Sprach- und Stimmheilkunde, das wesentlich zur Anerkennung
der Sprach- und Stimmheilkunde innerhalb der Medizin beiträgt.
1919
An der laryngologischen Klinik in Wien wird von Hugo Stern und
Miloslav Seeman ein phonetisches Laboratorium eingerichtet.
1920
Hugo Stern, Leiter der Ambulanz für Stimm- und Sprachstörungen
an der Wiener laryngologischen Klinik, prägt den Begriff
Phoniatrie.
1921
Emil Fröschels und Karl Cornelius Rothe die österreichischen
Pioniere der Logopädie - veranstalten in Wien erstmals
Sonderkurse über Stimm- und Sprachheilkunde für Pädagogen
und gründen die Sprachheilschule zur Ausbildung von Sprachheillehrern.
1924
Gründung der I.A.L.P. (International Association for Logopedics
and Phoniatrics) beim ersten Kongreß für Logopädie
und Phoniatrie am 3. bis 5. Juli in Wien.
1937
Gustav Hofer und Josef Jeschek erforschen in Graz die motorische
Innervation des Kehlkopfs.
1951
Vincenz Imre, Leiter der Stimm- und Sprachambulanz an der Wiener
I. HNO-Klinik, berichtet über die Veränderungen der
Stimme während der Schwangerschaft und hebt als einer der
ersten die Bedeutung hormoneller Einflüsse auf die Stimme
hervor.
1961
Österreich legt als erstes Land eine bundeseinheitliche
Regelung der logopädischen Berufsausbildung fest: mit dem
102. Bundesgesetzblatt vom 21.4. 61 wird die gesetzliche Grundlage
für die Ausbildung zum(r) diplomierten Logopäden(in)
geschaffen. In der Folge werden vier Schulen für die Ausbildung
zum Logopädisch-Phoniatrisch-Audiologischen Dienst
(zuerst Linz, dann [1968] Innsbruck, Wien [1972], später
Graz) errichtet.
1966
Auf Initiative von Frank (Wien) und Biesalski (Mainz) wird die
Arbeitsgemeinschaft deutschsprachiger Phoniater
in Salzburg gegründet
1968
In Innsbruck wird der erste deutschsprachige Lehrstuhl für
Phoniatrie und Audiologie an der HNO-Uniklinik eingerichtet
und Walter Schlorhaufer zum Ordinarius berufen.
1974
In Innsbruck wird die Univ.-Klinik für Hör-,
Stimm- und Spachstörungen unter dem Vorstand Walter
Schlorhaufer errichtet (bis 1996).
1988
Die Ausbildung zum Phoniater wird gesetzlich geregelt als dreijährige
Zusatzausbildung auf dem Gebiet der Stimm- und Sprachheilkunde
im Rahmen der HNO-Facharztausbildung. Die Phoniatrie wird als
Spezialdisziplin innerhalb der HNO anerkannt.
1992
Die Schulen für Logopädisch- Phoniatrisch-Audiologischen-
Dienst werden zu Akademien erhoben und die Ausbildungszeit
zum(r) diplomierten Logopäden(in) auf drei Jahre verlängert.

II. Geschichte der Kliniken
WIEN
In
Wien wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
innerhalb weniger Jahre vier Einrichtungen geschaffen, von denen
maßgebliche Impulse für die Entwicklung der Phoniatrie
ausgingen. Am allgemeinen Krankenhaus wurde 1870 die erste laryngologische
Klinik der Welt unter dem Vorstand Leopold Schröter von
Kristelli gegründet. Zwei Jahre später (1872) wurden
an der Poliklinik eine laryngologische Abteilung unter dem Vorstand
Johann Schnitzler sowie eine otologische Abteilung unter dem
Leiter Viktor von Urbantschitsch errichtet. Im Jahr 1873 schließlich
wurde am allgemeinen Krankenhaus die otologische Klinik gegründet,
die zunächst gemeinsam von Adam Politzer und Josef Gruber,
später von Politzer alleine geleitet wurde.
In
den nachfolgenden Jahren wurden von allen vier Einrichtungen
wichtige Beiträge, sowohl zu den theoretischen Problemen
der Stimm- und Sprachheilkunde als auch zur Behandlung und Betreuung
der Patienten, geleistet. An der laryngologischen Abteilung
der Poliklink befaßte sich ihr Vorstand, Schnitzler, selber
ausführlich mit der Behandlung von Stimmerkrankungen. Bereits
1862 hatte er hierfür die Inhalationstherapie eingeführt,
in den späteren Jahren interessierte er sich für die
psychischen Komponenten von Stimmstörungen und wandte bei
therapieresistenten Fällen die Hypnose zu deren Behandlung
an. Sein Sohn Arthur Schnitzler, der später als Dichter
und Literat Weltruhm erreichen sollte, war unter seinem Vater
Assistent an der laryngologischen Abteilung und befaßte
sich wie dieser mit der Hypnosetherapie der Stimmstörungen.
Schnitzlers
Interesse an der Stimmphysiologie und den Stimmerkrankungen
kam nicht von ungefähr: er war Musiker und ab 1876 Professor
am Wiener Konservatorium für Musik. Einer seiner Assistenten,
der später ebenfalls als Professor für Stimmphysiologie
und Stimmhygiene amWiener Konservatorium wirkte, war Leopold
Rethi. Rethis Hauptarbeitsgebiet war die Laryngologie und sein
Interesse galt besonders der damals neu aufkommenden Phonetik
und der Stimm- und Sprachheilkunde. Im Jahr 1913 gründete
er die Österreichische Gesellschaft für experimentelle
Phonetik, eine Vereinigung von Medizinern, Sängern, Gesangslehrern
und interessierten Laien, um auf breiter Basis Themen der Stimmphysiologie
und -hygiene zu diskutieren.
An
der otologischen Abteilung der Poliklinik widmete sich Viktor
von Urbantschitsch hauptsächlich den Hörstörungen,
doch galt sein Engagement auch der pädagogischen und sozialen
Fürsorge für Taubstumme. Gemeinsam mit Ottokar von
Chiari richtete er 1895 an der Poliklinik eine Ambulanz für
Sprachstörungen ein, die in der Folge zu einem Zentrum
für Stottererkrankungen wurde.
Im
Jahr 1907 übernahm Viktor von Urbantschitsch die Leitung
der otologischen Universitätsklinik, nachdem Adam Politzer
altersbedingt ausgeschieden war. Kurz danach trat Emil Fröschels
in die otologische Klinik ein. Fröschels hatte zunächst
die Absicht, Ohrenarzt zu werden, mußte diese Absicht
aber fallen lassen, da sein plastisches Sehvermögen für
die Otoskopie nicht ausreichte. In der Folge wandte er sich
den Stimm- und Sprachstörungen zu, ging zu Hermann Gutzmann
nach Berlin, und eröffnete nach seiner Rückkehr im
Jahr 1909 eine Ambulanz für Sprachstörungen an der
otologischen Klinik.
Viktor
von Urbantschitsch unterstützte Fröschels in seinen
Bemühungen, stellte ihm einen Raum und Personal zur Verfügung
und ermöglichte so den Auf- und Ausbau der Sprachambulanz.
Fröschels gelang es, Lehrer und Lehrerinnen zu finden,
die ihm bei seiner täglichen Arbeit in der Ambulanz halfen;
daneben entfaltete er eine umfangreiche publizistische und Vortragstätigkeit.
Bereits 1909 wurde sein Vortrag Über das Wesen und
die Behandlung von Sprachkrankheiten veröffentlicht;
sein Lehrbuch der Sprach- und Stimmheilkunde, das
mehrere Auflagen erleben sollte, erschien erstmals 1913. Ab
1911 arbeitete Karl Cornelius Rothe, ein Wiener Naturwissenschafter,
der als Lehrer tätig war, mit Fröschels zusammen.
Rothe machte Fröschels und seine Arbeit unter der Wiener
Lehrerschaft bekannt und arbeitete selber an Fröschels
Ambulanz mit.
Im
Jahr 1914 wurde Fröschels zum Dozent der Ohrenheilkunde
habilitiert. Ab diesem Jahr wurde seine Arbeit mit den sprachbehinderten
Kindern in zunehmendem Maß durch andere Erfordernisse
verdrängt, die der Erste Weltkrieg mit sich brachte: die
Behandlung von Soldaten, die infolge von Kopfverletzungen Sprachstörungen
aufwiesen. Die langjährige Erfahrung Fröschels führte
im Jahr 1917 zu seiner Ernennung zum Vorstand der Abteilung
für Kopfverletzungen. Nach dem Krieg kehrte Fröschels
wieder an die otologische Klinik zurück, deren Leitung
nun Prof. Neumann (Vorstand von 1919 bis 1938) übernommen
hatte. Neumann erweiterte die Räumlichkeiten der Sprachambulanz
wesentlich, indem er ihr in einem eigenen Trakt mehrere Räume
zuteilte.
Nachdem
auch Rothe wieder zurückgekehrt war, veranstalteten Fröschels
und Rothe ab 1921 Sonderkurse in Stimm- und Sprachheilkunde
für Pädagogen, die bei den Wiener Lehrern große
Akzeptanz fanden. Die Kurse wurden in den nächsten Jahren
ausgebaut; 1928 gab es bereits 39 Wiener Schulen, an denen sprachheilkundliche
Kurse angeboten wurden. Ebenfalls 1921 wurden unter Rothe
als Direktor - Sprachheilklassen eingerichtet, zu dem Zweck,
dem Mangel an Fachpersonal durch die Ausbildung von speziellen
Sprachheillehrern abzuhelfen.
Inzwischen
wurde auch an den anderen Wiener Kliniken die Beschäftigung
mit der Phoniatrie intensiviert: An der laryngologischen Klinik
des Allgemeinen Krankenhauses wurde 1919, unter dem neuen Vorstand
Markus Hajek, eine Ambulanz für Sprach- und Stimmstörungen
eingerichtet. Im gleichen Jahr eröffneten Miloslav Seeman
und Hugo Stern ein phonetisches Laboratorium. Stern war zuvor
mehrere Jahre Assistent bei H. Gutzmann in Berlin gewesen und
übernahm in Wien die Leitung der Ambulanz für Sprach-
und Stimmstörungen an der laryngologischen Klinik. Er publizierte
rund 160 wissenschaftliche Arbeiten, in denen er das gesamte
(damalige) Gebiet der Phoniatrie behandelte. Sein besonderes
Interesse galt der experimentellen Phonetik und den operativen
Eingriffen am Stimmorgan. Er prägte den Ausdruck Phoniatrie
und verhalf ihm zur allgemeinen Verwendung.
An
der Poliklinik wurde die Stimm- und Sprachambulanz 1924 reaktiviert
und Leopold Stein mit ihrer Leitung beauftragt. An seiner Seite
wirkte als seine langjährige Assistentin Renate Corvin.
Im
Jahr 1924 veranstalteten Fröschels, Rothe, Stern, Stein
und Felix Trojan ein Phonetiker, der damals Lektor für
Redetechnik an der Universität Wien war den ersten
Kongreß für Logopädie und Phoniatrie. Der Kongreß
fand vom 3. bis 5. Juli am Institut für Physiologie in
der Schwarzspanierstraße 217 statt; Fröschels führte
den Vorsitz, Stern war Sekretär. Über 60 Teilnehmer
waren gekommen, fast ausschließlich aus dem deutschsprachigen
Raum. Höhepunkt des Kongresses war die Gründung der
Gesellschaft für Logopädie und Phoniatrie,
die später in die International Association of Logopedics
and Phoniatrics (IALP) umbenannt wurde. - Auch die beiden
folgenden Kongresse, 1926 und 1928, wurden in Wien abgehalten.
Einer
der bekanntesten Schüler Fröschels in den 30er-Jahren
war Deso Weiß, der sich mit der Entwicklung der Stroboskopie
beschäftigte. Fröschels selber leitete weiterhin die
Sprachambulanz an der otologischen Klinik, die inzwischen eine
bedeutende Einrichtung geworden war. Neben seiner klinischen
Arbeit widmete er sich besonders Aus- und Weiterbildung der
Mediziner, aber auch der wissenschaftlichen Arbeit, die 1931
in der dritten Auflage seines Lehrbuch der Sprach- und
Stimmheilkunde gipfelte: in einem umfassenden Werk, das
fast die gesamte phoniatrisch-logopädische Fachliteratur
der damaligen Zeit überschaubar machte.
Die
Machtergreifung der Nationalsozialisten und der Anschluß
Österreichs an Hitlerdeutschland 1938 brachten einen schweren
Rückschlag für die Entwicklung der Phoniatrie und
Logopädie in Österreich: Fröschels, Stern, Stein,
Weiß und viele andere hervorragende Mitarbeiter mußten
Österreich aus politischen Gründen verlassen. Die
Wirren des Zweiten Weltkriegs und seine Zerstörungen taten
das ihre, um die zuvor so vielfältigen - Aktivitäten
in der Stimm- und Sprachheilkunde zu restringieren. Nachfolger
Fröschels an der Stimm- und Sprachambulanz an der Ohrenklinik
wurde Gottfried Arnold, der sie bis 1945 leitete. Arnold war
Schüler Fröschels und hatte durch mehrere Studienaufenthalte
bei H. Gutzmann jun. in Berlin seine phoniatrischen Kenntnisse
vertieft. Ähnlich wie Fröschels während des Ersten
Weltkriegs, hatte auch Arnold während dieser Zeit in der
Behandlung verwundeter Soldaten mit Sprach- und Stimmstörungen
sein Hauptarbeitsgebiet. Seine darin gesammelten Erfahrungen
hat Arnold in dem Buch Die traumatischen und konstitutionellen
Störungen der Stimme und Sprache niedergelegt. Zusammen
mit R. Luchsinger (dem bekannten Schweizer Phoniater) verfaßte
er das umfangreiche Lehrbuch der Stimm- und Sprachheilkunde
(1.Aufl. 1949).
Bereits
1938 war es am Wiener Allgemeinen Krankenhaus zu Umstrukturierungen
und Zusammenlegungen gekommen, wobei die früheren Kliniken
für Ohrenheilkunde und für Laryngologie in die I.
und II. HNO-Klinik eingegliedert wurden. An der I. HNO-Klinik
(ab 1970: II. HNO-Klinik) übernahm nach Arnold der Phoniater
und Sänger Vincenz Imre die Stimm- und Sprachambulanz.
Imre befaßte sich mit dem Einfluß der Hormone auf
den Kehlkopf bzw. die Stimme und mit der Weiterentwicklung von
Instrumenten für die endolaryngeale Faradisationsbehandlung
und für die Gaumensegelmassage. Gemeinsam mit Trojan, dem
Leiter der Stimm- und Sprachambulanz an der II. HNO-Klinik,
konnte er erreichen, daß 1961 die Ausbildung zum(r) diplomierten
Logopäden(in) bundeseinheitlich geregelt und der Beruf
des Logopäden als gehobener medizinischer Dienst gesetzlich
verankert wurde.
An
der II. HNO-Klinik (ab 1970: I. HNO-Klinik) hatte Felix Trojan
die Leitung der Stimm-und Sprachambulanz von 1945 bis 1966 inne.
Trojan war kein Mediziner, sondern Phonetiker (Habilitation
1947), der über 100 wissenschaftliche Arbeiten über
Themen der Phonetik insbesonders der Biophonetik
- und der Phoniatrie und Logopädie publizierte. Praktische
Bedeutung gewann seine umfangreiche theoretische Arbeit in seiner
Ausdruckstheorie der Sprechstimme, wonach durch das sog. phonische
Training das vegetative Nervensystem durch die Sprechstimme
beeinflußt werden kann.
Nach
dem altersbedingten Ausscheiden Trojans im Jahr 1966 wurde Friedrich
Frank zu seinem Nachfolger bestimmt; zugleich wurde die Stimm-
und Sprachambulanz an der II. HNO-Klinik zur Stimm-, Sprach-
und pädaudiologischen Abteilung aufgewertet. Frank übernahm
gleichzeitung auch die Leitung der Stimm- und Sprachambulanz
an der ehemaligen I. HNO-Klinik, die inzwischen (1963) zur Filialstation
der II. HNO-Klinik erklärt worden war. Frank, der Medizin
und Gesang studiert hatte, hatte zunächst die Ausbildung
zum Arzt für Allgemeinmedizin absolviert und während
dieser Zeit an der Stimm- und Sprachambulanz Vincenz Imres hospitiert.
Im Jahr 1962 trat er in die Klinik ein und absolvierte anschließend
die Ausbildung zum HNO-Facharzt und Phoniater. Im Jahr 1966
wurde er vom damaligen Klinikvorstand Otto Novotny mit der Leitung
der stimm-, sprach- und pädaudiologischen Abteilung betraut.
Im selben Jahr initiierte er die Gründung der Arbeitsgemeinschaft
der deutschsprachigen Phoniater. 1974 wurde er für das
Fach HNO-Phoniatrie habilitiert und 1980 zum tit.Ao.Professor
ernannt. 1993 wurde er zum Extraordinarius für Phoniatrie
und Logopädie und gleichzeitig zum Leiter der Klinischen
Abteilung für Phoniatrie und Logopädie ernannt, die
im Zuge der damaligen Neustrukturierung der HNO-Klinik errichtet
wurde.
Der
wissenschaftliche Schwerpunkt Franks war die Stimme insbesonders
die Singstimme und die Therapie ihrer Störungen.
Er verfaßte mehrere Lehrbücher, zahlreiche Buchbeiträge
und wissenschaftliche Publikationen. Daneben bemühte er
sich um den Ausbau der Abteilung, die bereits 1971/72 baulich
wesentlich erweitert wurde. Unter seiner Mitwirkung wurde 1972
die Schule für den logopädisch-phoniatrisch-audiologischen
Dienst am Wiener AKH gegründet, deren ärztlich-wissenschaftlicher
Leiter er gemeinsam mit Prof. Schwetz, dem Leiter der Abteilung
für Audiologie, bis 1993 war. Überdies war Frank an
der Wiener Hochschule für Musik und darstellende Kunst
tätig, wo er einen Lehrauftrag am Institut für Atem-
und Stimmerziehung innehatte.
Nach
der Emeritierung Prof. Franks 1995 übernahm Wolfgang Bigenzahn
zunächst die supplierende Leitung; im Jahr 1997 wurde er
zum Universitätsprofessor mit der Leitung der Abteilung
für Phoniatrie und Logopädie berufen. Bigenzahn hatte
die Ausbildung zum Arzt und Pädagogen absolviert und war
seit 1991 der Leiter der Stimm- und Sprachambulanz. Seine bisherigen
wissenschaftlichen Arbeiten umfassen u.a. mehrere Lehrbücher
zu den Themen Orofaziale Dysfunktionen, Oropharyngeale
Dysphagie und stimmverbessernde Chirurgie.
Im
Jahr 1969 wurde die einstige I. HNO-Klinik die seit 1963
als Filialstation der II. HNO-Klinik geführt worden war
wieder reaktiviert und ab 1970 als II. HNO-Klinik von
Prof. Kurt Burian geführt. Die zur Klinik gehörige
Stimm- und Sprachambulanz, die bisher von Frank geleitet wurde,
übernahm ab diesem Zeitpunkt Heribert Höfler. Höfler
und Burian waren die ersten in Europa, die eine Laser-Operation
am Kehlkopf vornahmen. Schwerpunkte der Arbeit Höflers
an der Stimm- und Sprachambulanz waren u.a. die Betreuung von
Spaltenpatienten und die Stimmrehabilitation nach Laser-Operationen
an den Stimmlippen. Mit der Emeritierung von Prof. Burian 1989
wurden die beiden HNO-Kliniken unter der Führung von Prof.
Ehrenberger zusammengelegt. 1991 folgte Höfler Wolfgang
Bigenzahn in der Leitung dieser Ambulanz nach.

GRAZ
Die
Grazer Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde wurde im Jahr
1893 gegründet; ihr erster Vorstand war Johann Habermann,
der von seiner Ausbildung her allerdings mehr Otologe denn Laryngologe
war.
Sein
Nachfolger Johannes Zange, der von 1922 bis 1931 in Graz wirkte,
war bemüht, für die stimm- und sprachtherapeutische
Versorgung seiner Patienten entsprechende Einrichtungen zu schaffen,
fand allerdings wenig Verständnis für sein Anliegen.
Zudem mangelte es an ausgebildeten Fachkräften, sodaß
zur Betreuung dieser Patienten Sprachlehrerinnen eingesetzt
wurden. 1928 wurden von Frau Dr. Schmidt 60 Kinder phonetisch
untersucht und einer sporadischen logopädischen Behandlung
zugeführt. 1929/30 behandelte Frau Dora Williger 16 Patienten
den mehrfachen Ansuchen Zanges, sie als Sprachlehrerin
an der Klinik anzustellen, wurde aber von der Landesregierung
nicht stattgegeben.
Auch
Zanges Nachfolger, Gustav Hofer (von 1931 bis 1959 Vorstand
der Klinik), bemühte sich lange Zeit vergeblich um eine
logopädische Stelle für seine Klinik. So betreute
Frau Ullman zwischen 1934 und 1937 unbezahlt ca. 200 sprachkranke
Patienten. Nachdem während des Krieges der Klinikbetrieb
stark eingeschränkt werden mußte, übernahm von
1944 bis 1951 Herr von Frankenbach die Betreuung dieser Patienten.
Unter den damals an der Klinik tätigen Ärzten ist
Josef Jeschek hervorzuheben, der sich ab 1937 mit Problemen
der Stimm- und Sprachheilkunde befaßte.
Prof.
Hofer trat - neben seinen Bemühungen um die Verbesserung
der stimm- und sprachheilkundlichen Versorgung - vor allem durch
seine Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Laryngologie hervor.
Nachdem er zuvor über die sensible Kehlkopfinnervation
gearbeitet hatte, konnte er 1937 zusammen mit Josef Jeschek
durch experimentelle Nervendurchtrennungen einen wesentlichen
Beitrag zur Klärung der motorischen Kehlkopfinnervation
leisten.
Im
Jahr 1952 wurde das Ambulatorium für Sprach- und Stimmkranke
an der HNO-Klinik in Graz eröffnet und Univ.-Doz. Dr. Franz
Doubek als dessen Leiter eingesetzt. Als Mitarbeiterinnen wurden
ihm zwei logopädisch geschulte Schwestern zur Seite gestellt.
Unter der Leitung Dr. Doubeks, die bis 1968 währte, konnten
an dieser Einrichtung nahezu 17.000 Patienten betreut werden.
Ab
1969 übernahm Karl-Heinz Moeltzner die Leitung des Ambulatoriums,
dessen personelle Ausstattung in den folgenden Jahren sukzessive
verbessert werden konnte. Moeltzner war zur gleichen Zeit als
Leiter der Beratungsstelle für stimm- und sprachgestörte
Kinder am Magistrat Graz tätig und hielt viele Jahre lang
für die Bezirkshauptmannschaften der Steiermark Sprechtage
ab, wodurch er eine weit über die Klinik hinausreichende
umfassende Beratungs- und Betreuungstätigkeit entwickelte.
Ab
1986 leitete Gerhard Friedrich die Abteilung für Phoniatrie
an der Grazer HNO-Klinik. Im Zuge der Einführung des Universitäts-Organisations-Gesetzes
1993 wurde die Grazer HNO-Klinik neu strukturiert und eine eigene
Klinische Abteilung für Phoniatrie und Logopädie eingerichtet.
Friedrich wurde im selben Jahr zum Extraordinarius für
Phoniatrie und Logopädie berufen und zum Leiter dieser
klinischen Abteilung bestellt. Friedrich führte die funktionelle
Larynx-Chirurgie in Graz ein und konnte damit neue Perspektiven
in der Behandlung der Kehlkopfkarzinome und auch in der Stimmrehabiliation
eröffnen. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang
die von ihm entwickelte Prothese im Rahmen der stimmverbessernden
Operationen (Thyreotomie).

INNSBRUCK
Die
Gründung der Innsbrucker Universitätsklinik für
Oto-Laryngologie erfolgte im Jahr 1893, und anders als in Wien,
wo sich diese beiden Fachbereiche zunächst getrennt entwickelten,
war man in Innsbruck auf ihre Einheit bedacht. Das zeigt sich
vor allem in der Berufung der ersten Professoren, deren Auswahl
nach dem Gesichtspunkt erfolgte, daß sie neben der otologischen
auch eine laryngologische Ausbildung aufweisen sollten.
Georg
Juffinger war von 1893 bis zu seinem Tod 1913 der erste Inhaber
des Lehrstuhls, und wenngleich er mit der Begründung der
Phoniatrie in keinem wesentlichen Zusammenhang steht, so hat
er doch seinen publizistischen Schwerpunkt auf die Erkrankungen
der oberen Atemwege gesetzt.
Unter
den Nachfolgern Juffingers ist Ludwig Hörbst hervorzuheben,
der von 1945 bis 1974 als Vorstand der Hals-Nasen-Ohren-Klinik
wirkte. Hörbst entfaltete eine fruchtbare Tätigkeit
in der Kehlkopfchirurgie: er entwickelte eine Fensterungsoperation
am Schildknorpel zur Röntgenbestrahlung bei Stimmbandkarzinomen
sowie eine Operation zur Erweiterung der Glottis bei Stimmlippenlähmungen.
Sein Engagement galt aber auch den Hör- und Sprachstörungen
und der Stimm- und Sprachheilkunde. Im Jahr 1948 richtete er
an der HNO eine Abteilung für Audiologie und Phoniatrie
ein und holte die erste Logopädin an seine Klinik.
Unter
Hörbst wurde, nach langjährigen Vorarbeiten und Bemühungen,
im Jahr 1968 der erste deutschsprachige Lehrstuhl für Audiologie
und Phoniatrie an der Innsbrucker HNO-Klinik eingerichtet und
Hörbsts Assistent, Walter Schlorhaufer, zum ersten Ordinarius
berufen. Schlorhaufer hatte sich als Assistent mit audiologischen
Messungen bei taubstummen Kindern befaßt und wurde mit
seiner Arbeit über Die Motorik der Taubstummen
1958 habilitiert. Die Pädaudiologie, insbesonders die Früherkennung
und Frühförderung hörgestörter Kinder, blieb
in der Folge einer seiner Arbeitsschwerpunkte, doch befaßte
er sich auch mit Sprache als Mittel der zwischenmenschlichen
Kommunikation, mit Spracherwerb und mit Sprach-, Sprech- und
Kommunikationsstörungen.
Im
Jahr 1974 wurde der Antrag der Innsbrucker Medizinischen Fakultät
auf Errichtung einer Univ.-Klinik für Hör-, Stimm-
und Sprachstörungen (HSS-Klinik) vom Bundesministerium
in Wien genehmigt. Unter Prof. Schlorhaufer als Vorstand waren
der HSS-Klinik, die im HNO-Gebäude untergebracht war, zunächst
15 Betten zugeteilt, die jedoch im Zuge von Umbau und Umstrukturierungen
auf 10 Betten reduziert wurden. Dennoch verfügte die Klinik
über eine gute apparative und instrumentelle Ausstattung,
so daß sowohl die Forschungstätigkeit als auch die
klinische Versorgung der Patienten auf hohem Niveau erfolgen
konnten.
Die
Arbeitsbereiche der HSS-Klinik waren weit gespannt und umfaßten
neben den traditionellen Aufgabengebieten der Stimm- und der
Sprach- und Sprechstörungen auch die Schluckstörungen
und die Hörstörungen. Schwerpunkt im Bereich der Hörstörungen
war die Früherkennung, Versorgung und Förderung hörgestörter
Kinder; in diesem Zusammenhang wurde 1995 das allgemeine Neugeborenen-Hörscreening
(auf der Basis der otoakustischen Emissionen, OAE) am Innsbrucker
Klinikum implementiert. Dem interdisziplinären Charakter
mancher Störungsbilder wurde durch die Zusammenarbeit mit
anderen Universitätskliniken Rechnung getragen, z.B. mit
der Univ.-Klinik für Plastische Chirurgie bei Spaltenpatienten
bzw. mit der Psychosomatischen Abteilung der Univ.-Klinik für
Psychiatrie bei Patienten mit psychosomatischen Störungen.
Zudem wurden spezielle Arbeitsbereiche (z.B. Tinnitus) neu eingeführt,
sodaß die HSS-Klinik ein ausgesprochen breites Spektrum
an klinischen Leistungen anbieten konnte. Im Bereich der Forschung
waren Schlorhaufer und seine Mitarbeiter u.a. mit der Entwicklung
von computergesteuerten Systemen zur Messung der OAE sowie mit
sonagraphischen Untersuchungen der normalen und pathologisch
veränderten Stimme befaßt.
Bereits
im Jahr 1968 war in Innsbruck eine Schule für den logopädisch-phoniatrisch-audiologischen
Dienst gegründet worden, deren fachliche Leitung Schlorhaufer
in der Folge inne hatte. Der theoretische wie praktische Unterrricht
an dieser Ausbildungsstätte für Logopäden
die 1992 zur Akademie erhoben wurde wurde zu einem großen
Teil von den Mitarbeitern der Klinik übernommen. Eine weitere
deutschsprachige Logopädenschule wurde auf Initiative Schlorhaufers
in Bozen/Südtirol errichtet.
Entsprechend
dem wachsenden Aufgabengebiet und der steigenden Patientenfrequenz
der HSS-Klinik konnte auch der Mitarbeiterstab wenngleich
nicht im wünschenswerten Ausmaß - vergrößert
werden. Im Jahr 1991 dem Jahr der Emeritierung Schlorhaufers
- fanden sich 16 Mitarbeiter an der HSS-Klinik.
Nach
der Emeritierung Prof. Schlorhaufers 1991 übernahm er selbst
die supplierende Leitung der HSS-Klinik bis 1994; anschließend
wurde die Oberärztin D. Nekahm bis 1996 mit der kommissarischen
Leitung beauftragt.
Bereits
1990 war seitens der Medizinischen Fakultät die Umstrukturierung
der HNO-Klinik und der HSS-Klinik beschlossen worden. 1996 wurde
dieser Beschluß umgesetzt: damit wurden aus der Univ.-Klinik
für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und der Univ.-Klinik für
Hör-, Stimm- und Sprachstörungen zwei gleichwertige
Abteilungen an der gemeinsamen Univ.-Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde.
Mit
1.12.1996 trat Patrick G. Zorowka die Nachfolge Schlorhaufers
als Ordinarius für HNO-Heilkunde mit besonderer Berücksichtigung
der Phoniatrie an und übernahm die Leitung der Klinik für
Hör-, Stimm- und Sprachstörungen, der bis dahin als
leitender Oberarzt an der Klinik für Kommunikationsstörungen
der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz - der größten
phoniatrisch-audiologischen Klinik in Deutschland tätig
war. 1995 erhielt er nahezu zeitgleich den Ruf
nach Innsbruck und einen weiteren nach Hamburg, auf die dortige
Professur für Phoniatrie und Pädaudiologie an der
Universität Hamburg. Letzteren lehnte er 1996 ab und kam
als Nachfolger Schlorhaufers auf das Innsbrucker Ordinariat.
Obwohl
hier der Status einer Universitätsklinik verlorengegangen
war, konnten unter Prof. Zorowka alle bisherigen Aufgabenbereiche
der HSS weiter geführt und teilweise sogar noch ausgebaut
werden. Die Ausstattung der HSS-Abteilung wurde, sowohl im klinischen
als auch im Forschungsbereich, dem internationalen Standard
entsprechend wesentlich verbessert. Hervorzuheben ist die Einrichtung
einer Camera silenta eines reflexionsarmen
Raums , um den hohen wissenschaftlichen Anforderungen
audiometrischer und psychoakustischer Messungen zu entsprechen.
Auch die Zahl der Mitarbeiter konnte unter Prof. Zorowka weiter
vergrößert werden, so daß gegenwärtig
ein multidisziplinäres Team von über 30 Personen (Ärzte,
Logopäden, Audiologen, Pädaudiologen, Psychologen,
Physiker, Technikern, Pflegepersonal und Mitarbeiter im administrativen
Dienst) an der HSS tätig ist. Die Klinische Abteilung für
Hör- Stimm- und Sprachstörungen in Innsbruck stellt
sich somit sowohl hinsichtlich des klinischen Leistungsspektrums
als auch hinsichtlich des Mitarbeiterstabs - als die gegenwärtig
größte phoniatrische Abteilung in Österreich
dar.

Literatur
Höfler Heribert, Majer Eduard H. (1979) Die wissenschaftliche
Entwicklung der Phoniatrie Österreich. In: 75 Jahre
Phoniatrie. Festschrift zu Ehren von Hermann Gutzmann sen. Veröffentlichung
der Humboldt-Universität zu Berlin.
Hörbst
Ludwig, Schlorhaufer Walter (1969) Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
und Lehrkanzel für Audiologie und Phoniatrie. In: Hundert
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